Was ist SoulKino? Ein Interview mit Ana Barrena Lertxundi (Deutsch)

11824999_10207418042832568_2749441923570685515_nAna Barrena Lertxundi ist Mitglied der Berlin LINKE LAG Internationals und eine der Hauptorganistoren von SoulKino

Was ist SoulKino?

SoulKino ist eine monatliche Veranstaltung in Neukölln. Sie verbindet die Soul-Musik mit einer Verfilmung, die danach mit dem Publikum besprochen wird. Es ist eine Möglichkeit um internationale Politik mit Kultur zu verbinden.

Die Maximen sind:

  1. Die Erinnerung an historischen Geschehen, die vom Mainstream-Diskurs unsichtbar gemacht werden. Alle Veranstaltungen stellen ein Motiv dar, was mit einem politischhistorischen Thema des Monats verbunden ist.
  2. Die Politische Aufklärung und Deliberation. In allen SoulKino Veranstaltungen gibt es ein Input von Menschen die über Lebenserfahrungen oder Recherchen zum Thema sprechen können. Außerdem gibt es danach die Möglichkeit darüber, in Anwesenheit der Person, zu debattieren oder weiter zu fragen. Alles in Verbindung zum Film, sodass Realität und Fiktion verglichen werden um zuletzt zu Themen, wie die Funktion des Kinos und der Kunst allgemein in Verbindung mit der Politik, zu sprechen.
  3. Die Ehrung der Soul-Musik. Wir betrachten sie als Idealform einer „kulturellen Revolution“. Grund dafür ist die Gleichheit in der Gesellschaft, die durch sie, teilweise, normalisiert wurde. Dennoch ist Rassismus als internationales Phänomen sehr präsent. Dazu kommt zu bemerken, dass Rassismus in den letzten Jahren in Deutschland, sowie in anderen Ländern, wie die USA durch rechtsextremistische Bewegungen wieder gestiegen ist. Somit ist der Punkt gekommen um Soul erneut aufzublühen.
  4. Chancen für KünstlerInnen. Die Schaffung eines Raumes um Werke mit der Gesellschaft zu teilen. Die OrganisatorInnen von SoulKino sind sehr aktiv in linken sozialen Bewegungen und in spanischen Parteien in Berlin. Als politisch involvierte EuropäerInnen in einem anderen Land der EU ist, einer der Hauptthemen unserer Protesten, die Bekämpfung der europäischen Sparpolitik. Opfer dieser Politik sind auch die KünstlerInnen. Deswegen schaffen wir in SoulKino einen Raum für sie um ihre Werke zu zeigen, wo auch nicht-deutsche ihren Platz finden. Diese, die durch die Sparpolitik und die Vorurteile des Arbeitsmarktes doppelt-diskriminiert werden.

Unser Ziel ist, diese Erwartungen im besonderen Kontext von Berlin zu verwirklichen. Zusammen mit der Gentrifizierung der Stadt entwickelt sich auch eine „hipsternihilistische“ Kunst, also eine die nur für bestimmte Gruppen der Gesellschaft reserviert ist und sich auf individualistische Probleme bezieht. Wir sollen den Menschen wieder davon überzeugen, dass die politische Ideen und Kämpfe attraktiv und ästhetisch als künstlerisches Objekt sein können. Dafür zeigen wir Filme über universelle Themen oder Probleme des Allgemeinwohls. Also, solche die für uns alle eine Bedeutung, die in unterschiedlichen Formen zum Ausdruck kommen kann, haben. Kunst für alle zu eröffnen hat eine große Bedeutung im mitten einer wirtschaftlichen und politischen Krise von globaler Auswirkung.

Beim ersten SoulKino haben 50 Leute einen Film aus den 80ern geschaut. Beim zweiten waren 100 Leute für einen relativen obskuren Film aus Kolumbien dort. Wer ist das SoulKino Publikum und warum kommen sie?

Indem wir uns das Ziel gesetzt haben monatlich über ein unterschiedliche Themen zu sprechen, gehen wir davon aus, dass immer unterschiedliche Menschen, je nach Interesse, kommen. Thema der ersten und zweiten Verfilmungen waren die chilenische und kolumbianische Politik. Dadurch konnten wir einen großen lateinamerikanischen Publikum erreichen. Auch viele SpanierInnen und Deutsche saßen da. Grund dafür sind, wahrscheinlich, die hohe Bedeutung der kulturellen Verhältnisse Spaniens zu Lateinamerika und die Solidarität una Admiration der spanischen linken gegenüber den Lateinamerikanischen progressiven Bewegungen. Bei den Deutschen gibt es auch viele, die eine starke und persönliche Beziehung zu diesen Ländern haben wegen ihre Erfahrungen durch einem sozialen Jahr vor Ort. Das nächste Film ist Lilia 4-ever geographisch und thematisch von den letzten SoulKinos entfernt, deswegen interessiert uns sehr, zu sehen, wer zu dieser Verfilmung kommt. Bis jetzt können wir bejahen, dass die TeilnehmerInnen sehr aktiv bei internationalen, politischen Bewegungen in Berlin sind. Vielleicht kommen sie gerne zu SoulKino, um hier die Chance zu haben nicht nur über Politik zu sprechen, sondern auch über Kultur. Somit die Themen der Diskussionen der kollektiven Treffen, während dieser Nacht, in der Form der Kunst zum Ausdruck zu bringen.

Es kommt viele SpanierInnen und LateinamerikanerInnen aber alle Filme und Diskussionen werden auch auf deutsch angeboten. Wollt Ihr auch, dass deutsche zu SoulKino kommen?

Zweifellos. Nicht nur deutsche, sondern alle Menschen ohne die Voraussetzung einer bestimmten Nationalität. Das ist die einzige Möglichkeit um SoulKino als antirassistisches Projekt zu verwirklichen. Außerdem sind die monatliche Themen oft auf einem bestimmten geographischen Gebiert bezogen, dennoch sind sie universell. Beispiele dafür sind der Putsch gegen die Regierung Allendes als imperialistische Aktion gegen einer Bewegung, die sich aus der Zivilgesellschaft entwickelte. Das kolumbianische Frieden als Modell für Frieden mit sozialer Gerechtigkeit und die Möglichkeiten dieser auf anderen Ländern. Die Prostitution in Lilia 4- ever in diesem Fall in Russland und Schweden, aber die Auseinandersetzung mit der Prostitution als eine der vielen Formen der Verwirklichung des Patriarchats.

SoulKino hat einer Art von einer Beziehung mit der LINKE und ihre Arbeitskreis “Internationals”. Kannst du genauer erzählen?

Die OrganisatorInnen von SoulKino sind auch aktiv in die Linke Berlin und spezifischer im LAG „Internationals“. Darüber hinaus denken wir, dass die Maximen von SoulKino auch sehr präsent bei dieser multikulturellen Gruppe der internationals sind. Wir wollen zusammen arbeiten um gesellschaftliche Veränderungen zu verwirklichen. Dafür tauschen wir, in den Fällen in denen die Angelegenheit dafür gegeben ist, unsere Ideen mit der Arbeitsgruppe. Dadurch können unterschiedliche Menschen ihre Kritiken oder Vorschläge äußern. Allerdings, ist SoulKino für alle weitere soziale Bewegungen, die unsere Maximen teilen, geöffnet. Diese sind herzlich eingeladen um sich vor einer Verfilmung oder während der Diskussion vorzustellen. Neue Gruppen um Kampfargumente kennen zu lernen ist positiv für die LAG und für alle weitere, schon organisierte, Gruppen. Die Verbindung macht uns stark.

Was für dich ist die Beziehung zwischen Kultur, Film und die Politik?

Politik ist alles was öffentlich ist. Somit sind alle Filme politisch. Kultur und Film sind das Medium die politische Diskussion zu verbreiten, aber auch über konkrete Auswirkungen bestimmter Politiken in einem Ort und in einem historischen Moment zu informieren. Das heißt, dass die Filme, die von der hochmonopolisierten Filmindustrie als unpolitisch beschrieben werden, immer politisch positioniert sind. Dabei werden die Belangen subversiver Gruppen unsichtbar gemacht. Die einzige Lösung ist das gleiche Mittel zu nutzen, also Filme und Kultur, aber mit einem anderen Inhalt.

Was können wir im Zukunft von SoulKino erwarten?

SoulKino ist ein Projekt. Ein Konzept, was offen für die ständige Veränderung ist. Diese kann sich verwirklichen durch unsere Offenheit gegenüber die Teilnahme aller, durch ihre Kritik, an der Entwicklung SoulKinos und der Veranstaltungen, die wir bis jetzt gemacht haben. Unsere neue Entscheidungen werden eine Antwort darauf sein.

Die Fragen wurden von Phil Butland gestellt

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